"Gina ist tot, doch wir sammeln weiter"
Die Salvatorianerinnen-Schwester Rosa Mair, die seit fünf Jahren
im rumänischen Temeswar arbeitet, war für kurze Zeit im Mutterhaus
in Meran. Dabei hat sie der Tageszeitung, die sich für Straßenkinder
und Frauen in Rumänien stark macht, auch über Tragödien
berichtet.
[Spendenkonto]
Von Christine Losso aus Rumänien
Rosa Mair stammt eigentlich aus Vintl, ist mit sechzehn Jahren in den
Orden der Salvatorianerinnen in Meran eingetreten und lebt jetzt bereits
seit fünf Jahren in Rumänien, wo sie sich für Straßenkinder
und zahlreiche andere Gestrandete der Gesellschaft einsetzt. Bei einem
Besuch der Tageszeitung in Rumänien im Juli dieses Jahres gab es
erste Kontakte mit Rosa Mair; bei einer beschwerlichen Reise quer durch
das ganze Land konnten zahlreiche Projekte, die von Südtirolern
unterstützt werden, begutachtet werden. "So schön es hier
auch ist, so froh bin ich, wieder nach Rumänien zurückzukehren",
so die Schwester gestern gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Sie
selbst könne kaum mehr etwas anfangen mit all den "Nichtigkeiten",
mit denen sich hier die Leute "abplagen" müssen, lacht
sie. Es gebe auf der Welt ziemlich viele andere Dinge, um die man sich
kümmern müsse. Um die Straßenkinder und die vielen dem
Schicksal überlassenen Frauen in Rumänien zum Beispiel, die
nichts für ihre unglückliche Lage können, da sie unter
einem Regime gelebt haben, das ihnen unter Ceausescu zuerst jegliche
Freiheit aberkannt hat, um sie dann unter den heutigen Machthabern völlig
unvorbereitet in die harte Wirklichkeit einer verwestlichten Welt hinauszuwerfen.
Genau genommen können all jene, die sich am Ende jener langen Kette
des neu gewonnenen "Wohlstandes" befinden, mit diesem nichts
anfangen und stranden wieder. Dieses Mal aber gänzlich. Schwester
Rosa erzählt von Gina, einem jungen Mädchen, das, zum zweiten
Mal schwanger, Anfang August entbinden sollte. Doch dazu sollte es nicht
mehr kommen. "Zusammen mit ihren sieben Geschwistern kam Gina regelmäßig
ins Pater- Jordan-Haus, das wir mit Südtiroler Hilfe für die
Obdachlosen errichten konnten", zählt Rosa Mair auf. Ebenfalls
mit Südtiroler Hilfe und insbesondere mit Hilfe der Tageszeitung
sollte das Mädchen die Chance haben, eine Zukunft mit ihren beiden
Kindern aufzubauen. Nach der Entbindung sollte Gina zusammen mit ihren
Babys (das erste ist 14 Monate alt) vom Obdachlosen- in ein Mädchenheim übersiedeln
können, wo sie gut aufgehoben gewesen wäre. "Doch am 9.
August hat man Gina tot aus der Bega gefischt", schaudert Rosa noch
heute bei dieser Vorstellung. Die Bega ist jener große Fluss, der
durch Temeswar fließt. Angeblich soll Gina vom Vater ihrer Kinder
erwürgt worden sein. Mit ihr starb auch das kleine Wesen im Bauch,
das unter diesen Umständen schutzlos einem sicheren Tod ausgeliefert
war. Gina wäre am 11. September 18 Jahre alt geworden. Pater Berno,
der ebenfalls in Temeswar lebt, hat für "seine" Obdachlosen,
die es nicht schaffen und auf tragische oder natürliche Weise sterben,
Gräber angekauft, "damit sie wenigstens in Würde beerdigt
werden können", wie er erzählt. So konnte auch die kleine
Gina, wenn nicht im Leben, so wenigstens doch im Tode, noch ein wenig
Würde erfahren. Schwester Rosa, weist in Anbetracht solcher Tragödien
darauf hin, dass es auch gute Nachrichten zu berichten gebe. Jenen vier
Frauen aus der ostrumänischen Stadt Iasi konnte sehr wohl geholfen
werden: Sie haben ihr Dasein bis kurz vor dem ersten Bericht über
sie in der Tageszeitung in einem Irrenhaus fristen müssen und konnten
jetzt Dank der vielen Spenden endlich wieder von dort herausgeholt werden. "Darüber
freue ich mich besonders und ich danke auch allen dafür, die ihre
Solidarität damit bekunden", so Rosa gestern. Sie ist mit der Ärztin
Elena Ceuca in Kontakt, die sich jetzt im fernen Iasi um die Frauen kümmert
und mit ihnen eine Werkstätte für Behinderte aufbauen will. "Hierfür
brauchen wir aber noch Spenden", bittet Rosa weiter "und auch
für die Zehntausenden von Straßenkinder in Iasi sammeln wir
weiter" (siehe Spendenkonto). Schwester Rosa Mair: Ich bin froh,
wieder nach Rumänien gehen zu können Danke für Ihre Spende
(cl) All jenen, die bis heute gespendet haben, sei herzlich gedankt,
die Sammlung geht noch eine Weile unvermindert weiter.
Alle, die sich
angesprochen fühlen, können bei der Volksbank Naturns weiterhin
für die Kinder und Frauen in Rumänien spenden: Stichwort
Rumänien
c/c 1063799 ABI 05856, CAB 58630. Vielen Dank. Infos gibt es bei der
Tageszeitung (Christine Losso, Tel. 0471 98 0 5 98)
Foto:
Gina mit
der aus Passeier stammenden Hanny Burgmann bei einem Besuch im Juli diesen
Jahres: Sie wurde nicht einmal 18 Jahre alt
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